Schilddrüsenunterfunktion: was Sie ergänzend tun können
Von Harald Erb, Heilpraktiker · zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2026
Müde, erschöpft, und das Gewicht geht langsam nach oben – oft ist das der Grund, warum Menschen zu mir kommen, nicht die Schilddrüse selbst. Häufig ist die Unterfunktion längst bekannt: Der TSH-Wert wurde bei einer Routineuntersuchung mitbestimmt, die Tabletten sind eingestellt. Und trotzdem fühlt es sich nicht richtig an. Was dahinterstecken kann – und was Sie ergänzend zur ärztlichen Behandlung tun können.
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Gut eingestellt – und trotzdem nicht gut
Eine Unterfunktion lässt sich mit Schilddrüsenhormon in Tablettenform meist gut ausgleichen. Wenn Sie sich trotzdem nicht wohlfühlen, lohnt sich ein genauer Blick:
- Sie nehmen weiter zu oder bleiben erschöpft: Vielleicht ist die Einstellung noch etwas zu niedrig.
- Sie sind nervös, unruhig, „hibbelig“, haben Herzklopfen oder schlafen schlecht: Das kann ein Zeichen sein, dass es eher zu viel ist.
- Die Werte sind gut, aber die Energie fehlt: Dann können Nährstoffe, Stress oder der Darm bremsen, dass das Hormon in den Zellen gut ankommt.
Ob die Dosis passt, prüft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Ändern Sie sie bitte nicht selbst.
Die Tabletten richtig einnehmen
Klingt banal, ist aber ein häufiger Stolperstein:
- morgens nüchtern mit einem Glas Wasser, etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück
- Kaffee, Milch und Frühstück erst danach
- zwei bis vier Stunden Abstand zu Kalzium, Eisen, Magnesium und manchen Magenmitteln
- möglichst jeden Tag gleich
Wer die Tablette mit dem Kaffee nimmt oder direkt zum Müsli mit Milch, nimmt oft weniger Hormon auf als gedacht. Wie das bei Ihrem Präparat genau ist, erklärt Ihnen auch Ihre Apotheke.
Was Sie ergänzend tun können
Nährstoffe prüfen lassen. Die Schilddrüse braucht unter anderem Selen, Eisen und Vitamin D. Ein Mangel kann mitspielen – sinnvoll ist es aber, ihn messen zu lassen, statt auf Verdacht viele Präparate zu nehmen. Welche Werte dabei sinnvoll sein können, lesen Sie auf meiner Seite Blutwerte. Mit Jod bei Hashimoto bitte vorsichtig sein und es nur nach Rücksprache einnehmen.
Gegen das Gewicht: satt statt hungrig. Eine Unterfunktion bremst den Stoffwechsel, und nicht selten hängt sie mit einer Insulinresistenz zusammen. Eiweiß zu jeder Mahlzeit, weniger Zwischenmahlzeiten und Bewegung nach dem Essen können helfen. Mehr dazu in meinem Beitrag Beginnende Insulinresistenz: was tun?
Muskeln aufbauen. Krafttraining kann dem gebremsten Stoffwechsel entgegenwirken und gegen die Erschöpfung helfen – in kleinen Schritten, ohne sich zu überfordern.
Stress und Schlaf. Dauerstress kann bremsen, dass das Schilddrüsenhormon in seine aktive Form umgewandelt wird. Pausen und ausreichend Schlaf können deshalb ein wichtiger Teil der Behandlung sein. Mehr dazu auf meiner Seite Müdigkeit und Erschöpfung und in meinem Beitrag Müde trotz ausreichend Schlaf: woran es liegen kann.
Verdauung. Eine Unterfunktion kann die Verdauung verlangsamen, Verstopfung ist häufig. Ausreichend trinken, Bewegung und Ballaststoffe in kleinen Schritten können helfen. Mehr auf meiner Seite Verstopfung.
Bei Hashimoto
Bei Hashimoto richtet sich das Immunsystem gegen die Schilddrüse. Ergänzend kann es sich lohnen, auf diese Punkte zu schauen:
- Selen: In Studien sanken die Schilddrüsen-Antikörper unter Selen nach drei bis sechs Monaten. Ob das der Schilddrüse auf Dauer nützt, ist noch offen. Sinnvoll kann es sein, den Selenwert vorher zu messen.
- Darm und stille Entzündungen: Ein gestörtes Gleichgewicht der Darmflora kann Entzündungen fördern. Hier kann eine Mikrobiomanalyse Hinweise geben. Wie ich dann vorgehe, lesen Sie unter Darmsanierung.
- Zöliakie: Eine Zöliakie kommt bei Hashimoto häufiger vor. Ob sie vorliegt, lässt sich ärztlich mit einem Bluttest klären – bitte vorher nicht glutenfrei essen, sonst kann der Test falsch ausfallen.
Wann Sie ärztlich nachfragen sollten
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie trotz Tabletten weiter zunehmen oder erschöpft sind, wenn Sie nervös werden, Herzklopfen haben oder schlecht schlafen – und unbedingt bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft, weil sich der Bedarf dann oft ändert. Dann kann die Dosis überprüft werden.
Kurze Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion
Kann ich mit einer Schilddrüsenunterfunktion abnehmen?
Ja, das kann gelingen – häufig erst, wenn die Einstellung passt. Danach helfen oft dieselben Dinge wie bei einer Insulinresistenz: Eiweiß, Essenspausen, Bewegung und Muskelaufbau.
Warum bin ich trotz Tabletten müde?
Mögliche Gründe sind eine noch nicht passende Dosis, die Einnahme zusammen mit Kaffee oder Frühstück, ein Nährstoffmangel, Stress oder schlechter Schlaf. Auch andere Ursachen der Müdigkeit, etwa der Blutzucker, können mitspielen.
Hilft Selen bei Hashimoto?
Selen kann die Antikörper senken, das zeigen mehrere Studien. Ob es die Beschwerden bessert, ist weniger klar. Sinnvoll kann es sein, den Selenwert vorher zu messen und die Einnahme abzusprechen.
Darf ich morgens Kaffee trinken?
Ja – aber nicht zusammen mit der Tablette. Häufig empfohlen wird, mit Kaffee und Frühstück 30 bis 60 Minuten zu warten.
So begleite ich Sie
Ich ergänze die ärztliche Behandlung – ich ersetze sie nicht. Im Gespräch, mit Ihren Laborwerten und, wenn sinnvoll, mit einem Speicheltest für die Stresshormone oder einer Mikrobiomanalyse schaue ich, was bei Ihnen bremst. Mehr auf meiner Seite Schilddrüse und Hashimoto.
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